Scheitern am Berg

Hm… soll man überhaupt über ein – Scheitern am Berg – sprechen? Oder ist es vielmehr die Erfahrung, Routine und Vernunft, wenn man eine Tour abbricht?

Nun hat es mich in diesem Jahr (2019) auch mal erwischt. Man glaubt es kaum… gerade bei einem landläuftig bezeichneten – Wander-3000er-, der Laaserspitze in den Ortler-Alpen. Ok, eigentlich würde ich den zwar nicht mehr als – Wander-3000er- bezeichnen, aber wirklich schwierig ist er nicht. Die Laaser- oder auch Orgelspitze, wie sie von den Einheimischen genannt wird, ist mit ihren 3304m Höhe auch nicht eine Bergtour, die ich nicht schon unzählige Male gemacht hätte.

Trotz meiner 30jährigen Bergerfahrung, 4000er-Touren und auch vergangenen Klettertouren, die im 5er Bereich angesiedelt waren, scheitere ich an der Laaserspitze. Das gibts´s doch nicht. Dachte ich…Es ging einfach nicht mehr weiter… Kurz vor dem finalen Gipfelanstieg (nach dem Geröllfeld) wären es höchstens noch 100Hm (Höhenmeter) gewesen und keine 500m Strecke mehr. Trotzdem…. Ich musste an der Stelle abbrechen… K.O., fertig, ausgelaugt, die Tritte wurden wackelig, die Luft wurde knapp…einfach down…

Versuch einer Reflexion

Eigentlich unternimmt man diese Tour von der Gaststätte – Stallwies – aus. Ich habe den Startpunkt – Premstl-Hof – gewählt, da wir dort unseren Urlaub verbracht hatten und mir die zusätzlichen 6km Wanderung nicht sonderlich zu denken gaben. Da bin ich schon ganz andere Strecken gelaufen.

War es der schlechte konditionelle Zustand (ich hatte vorher nicht, wie in den Vorjahren trainiert)? Lag es an den zusätzlichen Pfunden, die sich im Laufe der letzten 12 Monate angesammelt hatten? Oder hatte ich einfach einen schlechten Tag erwischt?

„Man lernt nicht aus Erfolgen, sondern aus dem Scheitern.“

Irgend ein schlauer Poet

Was es genau war, dass mich dort scheitern ließ, werde ich wohl nie herausbekommen. Vielleicht war es auch von Allem ein wenig. Aber ist die Erkenntnis über das – Warum – überhaupt wichtig?

Mein Fazit oder meine Erkenntnis daraus

Gerade auf Bergtouren und beim Bergsteigen ist es wichtig, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen. Keine Frage, mir fiel es unglaublich schwer, in dem Moment aufzugeben. Es schwirrten Gedanken wie „stell Dich nicht so an“, „los, das Stückchen noch“ und ähnliche Dinge durch den Kopf. Aber auch die obligatorische Wartezeit von rund 15min. änderte nichts an meinem Zustand. Ich war einfach K.O., ausgelaugt..fertig….

Vielleicht ist es meine langjährige Bergerfahrung oder auch einfach nur das antrainierte Wissen und Können, welches im Unterbewußtsein schlummert und sich im richtigen Moment meldet und sagt „Hör auf, es ist genug…geh runter…“.

Ja, ich hätte in die herumliegenden Steine beißen können. Ich war wütend, enttäuscht, verzweifelt.

Aber mir war klar, es konnte nur eine einzige richtige Entscheidung geben: Umdrehen und zurück gehen. Für einen sicheren Rückweg reichten die konditionellen Reserven auf jeden Fall noch. Würde ich jetzt weitergehen, könnte ich das nicht mehr mit ja beantworten.

Rückblick nach ein paar Tagen

Nun sind einige Tage vergangen, ich sitze wieder Zuhause im Garten. Ich hatte genug Zeit, um noch einmal in Ruhe über das Erlebnis nachzudenken.

Heute bin ich mir sicherer als zuvor. Es war die richtige Entscheidung.

Klar, immer gibt es die -gehypten- Typen, die angeblich nie scheitern, jeden Gipfel beim ersten mal -nehmen- und immer alles besser wissen und können. Ja, die gibts…soll es auch…

Was bleibt mir an dieser Stelle?

Ein Fact: Berg nicht geschafft.

So what?  Der ist vermutlich im nächsten Jahr auch noch da und -wartet- auf mich ;-).

Was mir aber trotzdem bleibt, ist eine neue Erfahrung, die Erlebnisse der ganzen Tour. Vom frühen Marschbeginn um 05:30 Uhr in der früh, dem wunderbaren Sonnenaufgang, dem Spiel der Wolken mit den Felsen, die Ruhe beim Aufstieg, die Muße und die Zeit auf dem Rückweg, die Natur zu beobachten und viele weitere gute Gefühle an dem Tag.

Und ganz besonders: Ich bin wieder einmal gesund von einer Bergtour zurück gekommen.

Bergsteigen, Kondition, Risiko, Tourabbruch

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